Wenn Kinder einnässen
Manche Kinder machen nachts oder am Tag in die Hose, obwohl sie das gar nicht wollen. Das nennt man Einnässen. Wie kommt es dazu und was kann man dagegen tun? Wieder einmal habe ich bei der Bebilderung tierische Unterstützung durch meine Freunde Knabber und MauMau erhalten.
Inhalt:
Ins Bett gemacht – Kann schon mal passieren
Vielleicht ist es euch auch schon so ergangen: Ihr werdet morgens wach und merkt, dass ihr ins Bett gemacht habt. Das habt ihr nicht mit Absicht getan. Es ist einfach so passiert. Und es gibt überhaupt keinen Grund, sich dafür zu schämen!
Es gibt aber mehrere mögliche Gründe, warum euch das passiert ist.
- Die Blase wächst noch mit. Eure Blase ist wie ein kleiner Ballon in eurem Bauch, der den Urin (das Pipi) sammelt, den euer Körper produziert. Wenn dieser Ballon voll ist, schickt er ein Signal an euer Gehirn: „Ich muss mal aufs Klo!“ Bei Kindern ist dieser „Ballon“ und der Weg zum Gehirn manchmal noch nicht ganz fertig ausgereift. Dann merkt das Gehirn das Signal erst sehr spät oder tief im Schlaf einfach gar nicht. Es kann auch sein, dass eure Blase noch nicht groß genug ist, um den ganzen Urin der Nacht zu sammeln.
- Ihr schlaft sehr tief. Viele Kinder, denen das Einnässen nachts passiert, sind praktisch durch nichts wachzukriegen. Ihr Körper und ihr Gehirn schlafen so tief und fest, dass sie das Drücken der Blase schlichtweg verschlafen. Das Gehirn wacht einfach nicht rechtzeitig auf, um den Befehl zum Aufstehen zu geben.
- Zu viel zu tun. Tagsüber kann es passieren, dass ihr mitten im schönsten Spiel oder beim Malen oder Basteln seid. Die Blase ruft zwar schon ganz leise „Ich muss!“, aber das Gehirn ist so beschäftigt und abgelenkt, dass es das Signal ignoriert. Irgendwann ist die Blase dann so voll, dass ihr es nicht mehr bis zur Toilette schafft.
- Sorgen, Stress und Veränderungen. Manchmal spielen auch Gefühle eine Rolle. Wenn es in der Schule gerade drunter und drüber geht, ein Umzug ansteht oder sich in der Familie etwas verändert hat, kann das euren Körper manchmal so beschäftigen, dass auch die Kontrolle über die Blase kurzzeitig durcheinandergerät.
- Verstopfung. In eurem Bauch liegen Darm und Blase nahe beieinander. Wenn viel harter Kot (also Kacka) im Darm steckt, kann der Darm auf eure Blase drücken. Dann hat die Blase weniger Platz und fühlt sich schneller voll. Deshalb müsst ihr vielleicht sehr schnell zur Toilette oder nässt euch ein.
Was kann euch helfen? – Ein paar hilfreiche Tipps
Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn es ab und zu nachts oder am Tag mit dem Pipi-Machen nicht ganz klappt – das passiert vielen Kindern und ist meistens völlig normal! Hier sind ein paar einfache Tipps, die helfen können:
- Kein Stress machen. Ihr seid damit nicht allein. Viele Kinder kennen das, und es geht von ganz alleine vorbei, wenn der Körper dafür bereit ist.
- Nicht zu lange warten. Schiebt den Toilettengang tagsüber nicht ständig auf.
- Vor dem Schlafen nochmal zur Toilette gehen. Versucht, vor dem Ins-Bett-Gehen noch einmal ganz in Ruhe Pipi zu machen.
- Genug trinken am Tag. Trinkt über den Tag verteilt genug Wasser, aber versucht, kurz vor dem Schlafen nicht mehr ganz so viel zu trinken.
- Mit den Eltern sprechen. Erzählt eurer Mama oder Papa davon. Sie können euch helfen, zum Beispiel mit einer wasserdichten Unterlage fürs Bett, damit ihr euch keine Sorgen wegen der Matratze machen müsst. Manchmal hilft es auch, gemeinsam mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zu sprechen. Die kennen sich aus. Redet auch mit euren Eltern, wenn euch die „großen Geschäfte“ Probleme bereiten, ihr also eine Verstopfung habt. Wenn ein übervoller Darm nicht mehr auf die Blase drückt, kann das schon sehr viel ausmachen.
- Über Sorgen und Ängste reden. Wenn ihr Sorgen habt oder euch irgendetwas Angst macht, sprecht mit einer erwachsenen Person darüber. Das müssen nicht unbedingt immer eure Eltern sein. Ihr könnt euch auch an Oma oder Opa, andere Verwandte, Erziehende in der Kita oder Lehrerinnen und Lehrer in der Schule wenden, wenn ihr ihnen vertraut.
Wichtig zu wissen – Ihr seid nicht schuld!
- Ihr seid nicht schuld. Einnässen ist kein absichtliches Verhalten – ihr braucht euch dafür absolut nicht zu schämen. Niemand möchte normalerweise ins Bett oder in die Hose machen.
- Ihr seid nicht allein. Sehr viele Kinder kennen das, auch wenn man selten darüber spricht.
- Es geht vorbei. Fast jedes Kind lernt mit der Zeit von ganz allein, dass die Blase zuverlässig Bescheid sagt, weil der Körper jeden Tag ein kleines bisschen größer und stärker wird.
- Hilfe holen ist leicht. Wenn es euch oder eure Eltern stört, sprecht am besten einfach mal ganz in Ruhe mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin. Die wissen genau, wie man der Blase ein bisschen beim Training helfen kann!
Fun Fact – Unnützes, aber lustiges Wissen 😃
Stellt euch vor, ihr könntet euren Freunden Nachrichten schicken, indem ihr ein bisschen Pipi aus dem Kopf durch die Gegend spritzt – ziemlich igittigitt, oder? Für Hummer ist das im Ozean aber die normalste Sache der Welt! Forscherinnen und Forscher der Universität Boston in den USA haben herausgefunden, dass Hummer auf diese Weise miteinander kommunizieren, also Informationen austauschen. Und wie machen sie das? Hummer pinkeln nicht wie wir, sondern haben kleine Öffnungen direkt vorne im Gesicht, in der Nähe ihrer Fühler. Wenn sich zwei Hummer treffen – zum Beispiel wenn sie streiten, wer der Stärkste ist, oder wenn sie verliebt sind –, schicken sie sich gegenseitig einen Schwall Urin entgegen. In diesem Pipi stecken wichtige Informationen. Es enthält bestimmte Duftstoffe (Pheromone), die verraten: „Ich bin total stark, lege dich lieber nicht mit mir an!“ oder „Ich bin bereit für eine Partnerschaft.“ Die anderen Hummer riechen diese Botschaften blitzschnell mit ihren Antennen. So wissen die männlichen Tiere sofort Bescheid, wer der Chef im Revier ist, und müssen sich gar nicht erst lange kloppen!
Auf Youtube könnt ihr euch ein Video über Hummer-Urin anschauen, in dem kurz und anschaulich gezeigt wird, wie die Tiere das Pipi im Gesicht nutzen, um miteinander zu kommunizieren.
Fotos: KI-generiert.
Stand: August 2026
