Skalar Pirat

Bonolino und SalazarBonolino und Salazar

Die Sonne stand hoch am Himmel, es war sehr heiß, kein Lüftchen regte sich, und ich döste in meinem „Tümpel“ zufrieden vor mich hin. Wann immer eine Fliege dreist genug war, sich auf meinen Rücken zu setzen, war Türülü zur Stelle und pickte sie mit seinem Schnabel in die Flucht.

 

Bonolino döst im Planschbecken

 

Plötzlich stürzte MauMau aus dem Gebüsch auf mich zu. „Bonolino, du musst ganz schnell zu mir nach Hause kommen“, die kleine schwarze Katze war vollkommen aus dem Häuschen, „im Aquarium meines Frauchens ist die Hölle los! Der Skalar Salazar stiftet die Guppys zum Wetttrinken an. Wenn sie es schaffen, das Aquarium leer zu trinken, würde er ihnen zwei Tage lang sein Futter überlassen!“

Ungläubig guckte ich MauMau an: „Aber wenn die Guppys das schaffen, dann würden sie und auch Salazar selbst ersticken! So dumm kann er doch nicht sein, oder?“

„Die Guppys könnten das Aquarium niemals leer trinken, weil es zu groß ist. Aber wenn sie zu viel Wasser getrunken haben, können sie nicht mehr schnell genug vor ihm fliehen. Ich befürchte, dass Salazar die Guppys fressen will!“, maunzte sie ent­rüs­tet.

Das war es also, was der Schurke im Schilde führte!

Schnell machten wir uns auf den Weg zu MauMaus Zuhause. In dem Aquarium schwamm ein fies grinsender Skalar und – wie es schien – viele kleine Kugelfische, die mühsam nach Luft japsten.

 

Aquarium

 

„Was treibt ihr denn hier für einen Blödsinn! Wisst ihr nicht, wie gefährlich das ist, hmm?“ Die Guppys liefen vor lauter Scham rot an und ähnelten dabei im Wasser trei­ben­den Lampions. „Und du, Bursche“, wandte ich mich an Salazar, „was fällt dir ein, den Kleinen solche Flausen in den Kopf zu setzen? Wolltest sie fressen, nicht wahr?“

Erschrocken ließen die Guppys das Wasser aus ihren Mäulern laufen und schrumpf­ten wieder auf ihre alte Größe zurück. Salazar hingegen verschwand blitz­schnell hinter einer kleinen Schatztruhe, die von einem Plastikpiraten mit Augenklappe bewacht wurde. Verstohlen beobachtete er MauMau und mich aus seinem Versteck heraus.

„Ich hab’ doch immer solchen Kohldampf! Wenn die Guppys sich mit Wasser voll­lau­fen lassen, wollen sie eventuell ihr Futter nicht mehr – und ich hab’ mehr zu fres­sen“, gab er kurz darauf kleinlaut von sich.

„Das ist zwar kein netter Wesenszug, aber immerhin besser, als sie fressen zu wollen. Und ständig Appetit zu haben, das Gefühl kenne ich nur zu gut“, seufzte ich und blickte wehmütig auf meinen kugelrunden blauen Bauch hinunter. „Und was ist mit euch, ihr kleinen Racker“, fragte ich die Guppys, „habt ihr auch immer Hunger?“

„Jaaaaaaaa!“, ertönte es fröhlich und vielstimmig aus dem Aquarium.

„Was meinst du MauMau, könnte dein Frauchen den Fischen vielleicht etwas mehr Futter geben?“

„Ich kümmere mich drum. Und außerdem werde ich die Fütterung zu­künf­tig ge­nau­estens überwachen“, grinste MauMau, platzierte ihr Körbchen direkt vor dem Aquarium und folgte mir nach draußen.

Auf dem Nachhauseweg grübelte ich über den schnellen „Diäterfolg“ der Guppys: Gerade noch kugelrund, hatten sie im nächsten Moment zu ihrer alten Form zu­rück­ge­fun­den.

„Weißt du, MauMau“, meinte ich nach einer Weile zu meiner kleinen Freundin, „in Wirklichkeit bin ich gar nicht dick. Das ist wie bei den Guppys alles nur Wasser!“

Nachdem sie mich einen Moment lang verdutzt angeblinzelt hatte, erwiderte sie: „Dann lass uns hoffen, dass du niemals ausläufst – sonst steht uns die nächste Sint­flut bevor!“

Bonolino und MauMau

 

 

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