Weihnachtsinsel Flaschenpost Kokosnuss

Bonolino und die WeihnachtsträumeBonolino und die Weihnachtsträume

Eines frühwinterlichen Morgens fand ich eine Flaschenpost in meinem Planschbecken. Sie enthielt einen Notruf und stammte von den Weih­nachts­insel-Krabben auf der gleichnamigen Insel. Flugs machte ich mich auf den Weg.

Auf der Weihnachtsinsel wurde ich bereits erwartet: Eine ganze Armada leuchtend roter Krabben marschierte am Strand auf mich zu. Es waren so viele, dass mir fast Angst und Bange wurde. Ein besonders großes Exemplar begrüßte mich und winkte dabei mit einer seiner Scherenhände. „Hallo Bonolino, ich bin Edward. Wir benötigen dringend deine Hilfe!“

Krabbe Edward

 

Ich beugte mich zu der Krabbe hinunter. „Gerne! Was kann ich für euch tun?“

„Nun, es verhält sich so“, antwortete Edward. „Das ganze Jahr über haust ein jeder von uns in seiner Höhle, frisst ein bisschen Laub und träumt vor sich hin. Unsere Träu­me handeln von den Weihnachtswünschen der Menschenkinder. Und wenn im No­vem­ber der Monsun-Regen beginnt, wandern wir alle ans Meer und flüstern die geträumten Wünsche den Wellen zu, die sie dann über die Weltmeere hinweg dem Weih­nachts­mann übermitteln.“ Mit offenem Mund staunte ich die Krabbe an. Ge­träum­te Wunsch­zet­tel! Das war mir vollkommen neu! Dann fuhr sie fort: „Dieses Jahr machen uns aber die Großen Achatschnecken Probleme. Sie sind wirklich sehr groß, extrem langsam und stur. Sie kriechen uns überall im Weg herum und gefährden dadurch unsere Mis­sion! Wenn wir nicht rechtzeitig ans Meer kommen, werden viele Kinder an Weih­nach­ten keine Geschenke erhalten, weil der Weihnachtsmann nicht rechtzeitig alle Wün­sche erfahren hat!“

Oh, ha! Das war wirklich eine heikle Situation! Was konnte ich tun, um die Schne­cken zu beschleunigen? In diesem Moment krachte eine Kokosnuss von der Palme neben mir auf den Boden und rollte hinunter zum Meer. Ein gigantischer Krebs sprang aus der Palme der Kokusnuss hinterher, verfolgte und erreichte die Nuss, bevor sie ins Wasser kullern konnte. Ich war so erschrocken, dass ich japsend auf meinen Hintern plumpste! Meine Güte, war der Krebs groß! Mindestens 40 Zentimeter!

„Das ist ein Palmendieb“, klärte Edward mich auf.

„Er klaut Palmen?“, fragte ich ungläubig.

„Nein, aber er klettert auf Palmen und frisst Kokosnüsse.“ Ich war verwirrt. Müsste er dann nicht eher Kokosfresser heißen? Egal. Ich beschloss, mich dem eigentlichen Problem zu widmen: den langsamen Schnecken. Während ich dem Krebs beim Fres­sen zusah, kam mir eine Idee. „Du bist doch ein ziemlich stattlicher und flinker Bur­sche. Würde es dir etwas ausmachen, die Schnecken zu ihrem Wunschziel zu trans­por­tie­ren?“ Der Krebs schmatzte eine Zeit lang nachdenklich vor sich hin. „Klar, geht in Ordnung.“ Dann rief er den Schnecken zu: „Ladies and Gentlemen, hier kommt Ihr persönlicher Expressdienst. Bitte stellen Sie das Kriechen ein und bringen Sie Ihre Schneckenhäuser in eine waagerechte Position!“ Die Schnecken waren von dem neuen Service begeistert, fragten nach Reiserücktrittsversicherungen, Rettungswesten, Bordverpflegung und ließen sich schließlich kichernd durch die Gegend kutschieren. Weihnachten war gerettet!

 

Große Achatschnecken on Tour

 

Die Krabben schenkten mir zum Abschied eine Kokosnuss und ich machte mich auf den Heimweg. Wieder zu Hause angekommen, tauchte ich in meinem Plansch­becken ab und lauschte dem Plätschern des Wassers, das ich dabei verursachte. Da plötzlich ein fremdes Geräusch! Was war das? Vielleicht ein Schmat­zen? Mimte Knabber etwa den „Palmendieb“? Schnell streckte ich den Kopf aus mei­nem „Tümpel“. Nein, das Eichhörnchen war unschuldig. Wie sonderbar. Dann hatte ich wohl das Wispern der träumenden Krabben gehört …

 

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