König Poldi Halsbandsittich

Bonolino und König PoldiBonolino und König Poldi

Heiß war es mal wieder. Warum auch nicht? Schließlich war es Sommer und ich hatte es mir zur Abkühlung in meinem aufblasbaren „Tümpel“ be­quem gemacht.

Gerade war ich eingenickt, als ich durch Flügelschlagen und Flattern aus dem Schlummer gerissen wurde.

„Was, äääh …“

„Hallo Bonolino.“ Das Amselmännchen Türülü hatte mit seinen Kumpels, dem Spatz Quietscher, der Kohlmeise Anton, der Blaumeise Heinrich und dem Grünfink Albert auf dem Planschbecken Platz genommen.

Bonolino, Türülü, Quietscher, Anton und Albert

 

„Passt bitte mit euren Krallen auf, damit das Planschbecken keine Löcher be­kommt“, rief ich erschrocken und scheuchte Albert mit einem Grashalm auf, da er mit seinem Schnabel neugierig auf der Kunststofffolie herumpickte. Türülü bedachte Albert mit einem tadelnden Blick und wandte sich dann an mich. „Quietscher hat eine Bitte an dich. Die gesamte Spatzenschar möchte bei dir einziehen.“

„Hö? Warum denn das? Ihr lebt doch schon in einer geräumigen Mehr­spat­zen­woh­nung.“

„Schon“, antwortete Quietscher tschilpend. „Aber wir haben einen neuen Unter­mie­ter, und der macht uns das Leben zur Hölle.“

„Dann lass mal hören“, sagte ich und richtete mich in meinem Planschbecken auf.

Wie auf Kommando ertönte aus der Nachbarschaft eine schrille Stimme: „Spaaaatzen, angetreten!“

„Das war Poldi. König Poldi.“ Quietscher zitterte am ganzen Leib. „Ein kleiner Pa­pa­gei. Ist einfach und ohne um Erlaubnis zu fragen bei uns eingezogen. Und nun drang­saliert er uns Spatzen den ganzen Tag und betrachtet uns als seinen Hofstaat! Sogar unser Essen müssen wir mit ihm teilen! Wir wollen uns nicht mehr rum­kom­man­die­ren lassen!“ Unbewusst hob er den Schwanz und es folgte ein leises Platsch­ge­räusch. „‘Tschuldigung, bin so aufgeregt!“ Hmmmpfff. Mit einem Papiertaschentuch wischte ich die Aufregung vom Planschbeckenrand.

Anschließend machte ich mich gemeinsam mit meinen gefiederten Freunden auf den Weg zu König Poldi. Auf dem Baum vor Quietschers Haus hatten sich mittlerweile zahlreiche neugierige, kreischende Halsband- und Alexandersittiche eingefunden. Ich war verblüfft, dass es in unserer Region so viele Papageien gab, stammten sie doch ursprünglich aus Afrika und Asien. Als sogenannte Neozoen – quasi „tierische Neu­bürger“ – hatten sie jedoch im Laufe der Jahre auch einige nördlichere Regionen des Planeten erobert. Die grünen Papageien beobachteten, wie ein kleinerer grüner Pa­pa­gei krakeelend eine Schar Spatzen im Paradeschritt über das Hausdach scheuchte.

„Der regt sich aber auf – ist ja ganz rot im Gesicht“, stellte ich fest. „Gleich platzt er.“

„Der sieht immer so aus, er ist ein sogenanntes Rosenköpfchen“, lachte ein Hals­band­sittich.

Bonolino und PoldiIch stemmte die Hände in die Hüften und postierte mich vor dem Haus. „Na, Poldi! Was wird das denn hier?“, rief ich dem kleinen Papageien zu. „Du kannst doch nicht einfach so die Spatzen schi­ka­nie­ren!“

„Was heißt denn hier schi­ka­nie­ren?“, rief der grüne Knirps zurück. „Ich muss doch zusehen, dass mein Ge­fol­ge sich mir gegenüber gebührend verhält!“

„Wir sind nicht dein Gefolge, du Hochstapler!“, schimpfte Quietscher und flog zu den anderen Spatzen aufs Dach. Anton, Heinrich und Albert folgten ihm. „Wir ziehen alle zu Bonolino, und du darfst nicht mit. Ätsch!“ Ups! Hundert aufgeregte Spatzen in meinem Gartenhäuschen? Jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen! Poldi zog eine Flunsch.

Türülü flog auf meine Schulter und wisperte mir ins Ohr: „Er schart die Spatzen nur deshalb um sich, weil er nicht alleine sein mag.“

„Weißt du was Poldi“, sagte ich nach einer Weile, „ein König wie du braucht einen Pa­last, kein schnödes Hausdach!“ Poldis Miene hellte sich auf. „Ich hänge dir in mei­nem Garten ein Vogelschlösschen auf. Und vielleicht helfen dir deine grünen Kollegen, eine passende Königin zu finden, damit du dich dort nicht einsam fühlst.“

Vogelschlösschen für Poldi und Polly

Meine Idee wurde von allen begeistert aufgenommen und in Nullkommanichts hat­ten die Papageien eine ledige Rosenköpfchendame namens Polly ausfindig gemacht, die bereit war, König Poldi kennenzulernen. Alsbald wurde Vogelhochzeit gehalten und seitdem sind die beiden unzertrennlich. In die Spatzengemeinschaft kehrte Ruhe ein und auch mein Planschbecken wurde wieder zu einem unaufgeregten „Tümpel“.

 

Filmstreifen
Weblinks

Auf Wikipedia:

Albert, Anton, Heinrich und Türülü