Bonolino und Prinz Omelett

Irgendetwas ging vor im Staate Dänemark. Nichts Faules, ganz im Gegenteil. Seit Tagen drang emsiges Hämmern, Sägen und Rufen aus der Nachbarschaft an mein Ohr und störte mich in meinem Freiluftbüro bei der Arbeit. Ich konnte mich kaum konzentrieren, und so war ich froh, dass MauMau mich durch ihren Besuch etwas ablenkte.

„Das glaubst du nicht“, rief sie mir schon von Weitem zu und schwenkte in ihrer Pfote einen altertümlich anmutenden Briefumschlag. „Die Meerschweinchen von nebenan haben uns zu einer Theateraufführung in ihren Garten eingeladen. Im Laufe des Vormittags soll die Bühne fertiggestellt werden, und am Nachmittag wird das Stück ‚Omelett, Prinz von Sahnequark‘ des berühmten englischen Dramatikers und Dichters Willi Schüttelbirne zum Besten gegeben. In neuer Übersetzung. So steht es jedenfalls in der Einladung.“

„Willi Schüttelbirne? Wer soll das denn sein?“, fragte ich verdutzt.

„Vermutlich William Shakespeare.“ MauMau grinste über das ganze Gesicht.

„Eine seeehr gewagte Übersetzung. Richtiger wäre wohl ‚Wilhelm Schüttelspeer‘. Und heißt das Stück nicht in Wirklichkeit ‚Hamlet, Prinz von Dänemark‘? Aber egal. Das schauen wir uns an.“

Das Bühnenbild war recht ansprechend gestaltet: Boden und Seitenwände bestanden aus bemalten Kaninchenstallbrettern, die Hamster hatten ihr Laufrad als Requisit beigesteuert, die entzückenden Kostüme und Vorhänge waren dem Fleiß zahlreicher Weberknechte geschuldet, und die Meerschweinchen selbst hatten ihr bestes Stroh für die Bequemlichkeit der Besuchersitze hergegeben. MauMau und ich genossen die Aufführung sehr, auch wenn wir hin und wieder ein Schmunzeln nur schwer unterdrücken konnten.

Ein Meeschweinchen steht auf einer Theaterbühne und hebt eine Kastanie in die Höhe

„Schwein oder Nichtschwein, das ist hier die Frage“, deklamierte ein Meerschweinchen und hielt dabei eine löchrige Kastanie in dramatischer Geste in die Höhe. „Ob‘s edler im Geschmack, die Dorn und Stacheln der rohen Kastanie erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Piksern, durch Schälen sie enden? Essen – schlafen –“

MauMau kicherte: „Die haben früher aber komisch geredet. Ich verstehe überhaupt nicht, was er damit sagen will. Und zählt die Esskastanie neuerdings zu den Stachelschweinen?“

„Das nicht, aber dafür gehören die Meerschweinchen zu den Stachelschweinverwandten. Kannst du auf Wikipedia nachlesen“, antwortete ich flüsternd. Nach Vorführungsende fragte ich den Bühnenregisseur – ein Langhaar-Meerschweinchen namens Kenneth – warum das Stück denn nicht „Hamlet“, sondern „Omelett“ hieß.

„Künstlerische Freiheit. Wir Schweinchen reden nicht gerne über Schinken. Und ‚Ham‘ ist nun mal das englische Wort dafür.“ Mein Magen fing plötzlich laut an zu knurren und erinnerte mich daran, dass ich meine Mittagsmahlzeit versäumt hatte.

Kenneth strahlte. „Habt ihr Hunger? In unserem Theater-Bistro gibt es leckere McBeths und King Lears, das sind vegetarische Hamburger. Ihr wisst ja jetzt, warum die bei uns anders heißen.“ Dann warf er mit einer kühnen Kopfbewegung eine Haartolle aus der Stirn. „Und wenn euch die Aufführung gefallen hat, seid ihr zu meinem nächsten Werk ebenfalls herzlich willkommen: Der Widerborstigen Zähmung!“

Wir nahmen die Einladung gerne und dankend an, dann begaben wir uns ins Bistro. Die Meerschweinchen schienen nach so viel Kultur besonders hungrig zu sein, denn sie stürzten sich sofort auf ihr Essen und bekleckerten sich dabei nach allen Regeln der Kunst.

„Ich habe mich schon immer gefragt, ob Stachelschweine und Schweineigel nicht ein und dasselbe sind“, sinnierte MauMau.

Bonolino und MauMau begegnen einem Igel

„Das habe ich überhört!“, empörte sich ein eleganter Igel, der es sich in Hörweite bequem gemacht hatte. „Denn sonst müsste ich euch jetzt zur Strafe piksen!“ Wir versicherten ihm, dass es sich um ein Missverständnis handelte und dass wir seine Reinlichkeit in keinster Weise in Frage stellen würden. Schnell machten wir uns aus dem Staub.

„Puh“, japste ich, als wir in meinem Garten ankamen, „das war knapp.“

MauMau lachte: „Schwein gehabt!“


Weblinks: Wikipedia

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