Bonolino und die Vampirfinken

Draußen regnete es in Strömen. MauMau war mit ihrem Wildkaterkumpel Ratz unterwegs auf Ratzafari (gemeinschaftliches durch Wald- und Wiesenstromern) und Eichhörnchen Knabber schnarchte eine Runde in seinem Kobel. Einzig Türülü, sonst begeisterter Allwetter-Regenwurm-Hinterherhüpfer, leistete mir in meinem Gartenhäuschen Gesellschaft.

Gemeinsam schauten wir aus dem Fenster und warteten auf die Sonne. Und wir warteten. Und schauten. Nach längerem, beharrlichem Ausharren wurde unsere beschauliche Langeweile durch ein leises Scharren an der Tür gestört. Als ich öffnete, streckte mir die Sumpfschildkröte Karotti ihren faltigen Kopf entgegen.

„Das reinste Kaiserwetter!“ lachte sie und strahlte über das ganze Gesicht.

„Werʹs mag“, schmunzelte ich.

Türülü flatterte auf meine Schulter. „Bist du schon wieder aus deinem Gartenteich ausgebüxt?“

„Ein bisschen Bewegung schadet nie, und Reisen bildet. Hast du eigentlich schon eine neue Expedition vorbereitet, Bonolino?“

„Noch nicht“, antwortete ich, „ich kann mich nicht so recht entscheiden.“

„Was steht denn zur Wahl?“

„Nichts.“

Die kleine Schildkröte marschierte an mir vorbei nach drinnen, tropfte den Fußboden voll und ließ sich schließlich auf dem Teppich nieder: „Sooo!“

Dann hielt Karotti aufmerksam Ausschau nach etwas Fressbarem, entdeckte ein paar übriggebliebene Salatblätter und gab mir mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass ich ihr das Mittagessen servieren dürfe. Minutenlang war sie mit Mampfen beschäftigt und fuhr schließlich munter fort: „Also werde ich das Ganze mal in die Klaue nehmen! Ich würde gerne entfernte Verwandte besuchen. Was haltet ihr von den Galápagos-Inseln?“

Entfernt, wie? Amüsiert wandte ich mich an Türülü: „Auffi, Galápagos?“

„YEAH!“

Die Galápagos-Inseln liegen westlich der Küste Südamerikas und gehören zu Ecuador. Wir landeten auf einer der kleineren Inseln und entdeckten nach kurzer Suche eine grasende Riesenschildkröte. Die Gigantin stellte sich uns mit dem Namen Thusnelda vor. Als Thusnelda Türülü entdeckte, schrie sie wie am Spieß: „Hiiiiiiiiilfe! Bluuutsauger! Ein Vampirfink!“

Die Riesenschildkröte Thusnelda schreit erschrocken, weil sie Türülü für einen Vampirfink hält

„Wo, wo, wo?“ Entsetzt hielten wir nach dem gefiederten Teufelsbraten Ausschau, konnten aber keinen entdecken – zumal wir auch gar nicht wussten, wie ein Vampirfink aussieht. Hat er etwa kleine Fangzähne in seinem Schnäbelchen?

„Dort drüben“, keuchte sie und wies mit einer Klaue auf Türülü, „das kleine schwarze Biest mit dem dämonischen Blick!“

Türülü drehte verständnislos den Kopf: „Hä? MauMau ist doch gar nicht mitgekommen!“

„Ähem. Sie meint dich, Türülü“, korrigierte ich ihn.

„Was fällt dir ein?“, ereiferte sich Türülü. „Du hast dir wohl zu viele Dracula-Filme angeschaut! Ich bin kein Vampirfink, sondern eine famose Amsel!“

Nachdem Thusnelda sich beruhigt und entschuldigt hatte, beschrieb sie uns die Vampirfinken. Dass sie zu den Darwinfinken zählen und das Blut anderer Vögel trinken, um ihren Durst zu löschen. Vor allem während der Trockenzeit, wenn es wenig Süßwasser auf der Insel gibt. Dazu picken sie ein wenig in die Haut zwischen den Federn bis Blut fließt. Häufig nehmen die Angezapften das anscheinend gar nicht richtig wahr, weil sie glauben, dass die Finken ihnen nur Flöhe oder sonstiges Gekreuch und Gefleuch aus dem Gefieder futtern.

„Blutdürstige Bande!“ Türülü sträubte seine Federn. „Und warum regst du dich dann so auf? Du siehst nicht mal ansatzweise wie ein Vogel aus! Und durch deinen Panzer picken die sich garantiert nicht durch.“

„Man kann ja nie wissen – der Teufel ist ein Eichhörnchen.“

„Da sagst du was“, dachte ich bei mir und seufzte. Gut, dass Knabber zu Hause geblieben war.

„Was sind das bloß für Tölpel, die sich einfach so ihr Blut abschlürfen lassen?“, wunderte sich Karotti.

„Blaufuß- und Nazcatölpel. Das sind Seevögel, die ungefähr so groß wie Gänse werden“, antwortete Thusnelda.

Der kleinen Sumpfschildkröte fiel die Kinnlade runter. Dann grinste sie breit und schielte zu Türülü hinüber. „Es gibt tölpelhafte Vögel? Wer hätte das wohl gedacht?“ Türülüs Augen blitzten wütend auf, er hob drohend seine Flügel und klapperte mit dem Schnabel. Karotti wich erschrocken vor dem temperamentvollen Amselmann zurück und fragte dann: „Aber Schildkröten lassen sie in Ruhe?“

Thusnelda blinzelte. „Das will ich stark hoffen. Bisher hat mich jedenfalls noch keiner gebissen. Aber ich bin ja auch eine Riesenschildkröte. Vielleicht machen sie bei dir ja eine Ausnahme?“ Karotti zog schnell ihren Kopf und ihre Füße ein.

„War doch nur Spaß!“

„Will jetzt trotzdem wieder nach Hause“, murmelte Karotti leise, und ich stimmte kopfnickend zu.

Mit einmal schnauben und dreimal mit den Ohren wackeln standen wir im Nu wieder in meinem Garten. Karotti atmete tief durch. Dann weiteten sich ihre Augen und sie schrie: „Hiiiiiiiiilfe! Bluuutsauger! Ein Vampirfink!“

„Wo, wo, wo?“ Entsetzt hielten Türülü und ich nach dem gefiederten Teufelsbraten Ausschau, konnten aber keinen entdecken – zumal wir jetzt ja auch wussten, wie ein Vampirfink aussieht.

„Dort drüben“, keuchte sie und wies mit einer Klaue auf einen kleinen Vogel in einem Distelbeet. „Das kleine braune Biest mit der blutbefleckten Brust!“

Türülü krähte vor Vergnügen. „Das ist doch nur Hannes, ein Bluthänfling und guter Freund von mir! Der frisst nur Sämereien verschiedenster Pflanzen. Trinkt kein Blut. Den Namen trägt er nur wegen seiner Federfärbung.“

„Genau wie ich“, zwitscherte das Rotkehlchen Rosalie. „Oder hast du vor mir etwa auch Angst?“

Karotti schüttelte erleichtert den Kopf. „Ich weiß ja eigentlich, dass es hier keine Vampirfinken gibt. Hab mich nur so erschreckt.“ Dann drehte sie sich zu mir um und grinste: „Und jetzt hab ich Hunger, Bonolino!“ Mal wieder.

Karotti, Bonolino und Türülü sitzen am Esstisch und essen Salat und Kirschen

Ich lud alle zum Essen in mein Gartenhäuschen ein. Als Türülü sich ein paar saftig rote Kirschen einverleiben wollte, riet ich ihm flüsternd davon ab: „Warte lieber, bis Karotti wieder zu Hause ist. Sonst hält sie den Kirschsaft womöglich für Schlimmeres und dich für eine Vampiramsel!“

Türülü lachte: „Gestatten, Graf Amsula!“


Weblinks: Wikipedia


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AKON-Gesundheitsreisen

Die Galápagos-Inseln liegen in großer Ferne. Nicht ganz so weit ist es bis zur Balearen-Insel Mallorca oder den Kanarischen Inseln Teneriffa und Fuerteventura. Mit einer AKON-Gesundheitsreise rücken diese Reiseziele in greifbare Nähe: www.akon.de/ruv-bkk

Dort wird zwar auch Spanisch gesprochen, aber Vampirfinken gibt es dort nicht. Versprochen.