VERhO

Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren

Das Projekt „Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren“, kurz VERhO, ist ein Projekt des Innovationsfonds (§§ 92a und 92b SGB V) zur Förderung neuer Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen.

Sie leiden an einer entzündlichen Gelenkerkrankung (rheumatoider Arthritis, im folgenden RA genannt), die nunmehr durch die Behandlung mit Medikamenten nicht mehr aktiv ist? Das ist das Ziel der Therapie bei rheumatoider Arthritis.

Durch die Neuentwicklung von Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen und die häufig miteinander kombiniert werden, kann dieses Ziel bei immer mehr Patienten erreicht werden. Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese Patienten dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden müssen oder ob diese Medikamente reduziert oder ganz abgesetzt werden können.

Das Projekt VERhO soll diese Frage beantworten. Die Ziele des Projektes sind:

  • Durch die Gewinnung von Daten und deren Auswertung sollen Patienten mit RA in stabiler Remission (vorübergehende oder dauerhafte Nachlassen von Krankheitssymptomen) dokumentiert und gegenüber Patienten mit derselben Erkrankung ohne Therapieveränderung verglichen werden.
  • Gemeinsam mit Ihnen möchten wir durch die Datenanalyse die Förderung des Selbstmanagements Vorschläge für ein zukünftiges „Disease Management Programm (DMP) Rheuma“ erarbeiten
  • Wir möchten mit Ihnen im ärztlichen Betreuungsgespräch Informationsbedürfnisse erfassen, und geeignete Strategien zum Umgang mit Erkrankung und Therapie erarbeiten.
  • Die Daten sollen für ein Register aufgearbeitet werden.

In der Regel kommen in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis sogenannte DMARDs (Disease-modifying anti-rheumatic drug) zur Anwendung. Diese sind entweder synthetisch oder biologisch hergestellt. Primäres Ziel ist das Erreichen der klinischen Remission (Inaktivität der Erkrankung). Dies ist mittlerweile durch die guten therapeutischen Möglichkeiten bei ca. 50 % der Patienten möglich.

Schätzungen gehen davon aus, dass es für 40 bis 50 % der Patienten mit RA in stabiler Remission möglich ist, die Arzneimittelbehandlung erfolgreich zu reduzieren und zum Teil ganz abzusetzen. Zwei Leitlinien empfehlen bei Patienten, die auch nach Absetzen von Glukokortikoiden (Kortisonpräparaten) in der Remission verbleiben, den Versuch einer schrittweisen Reduktion der Dosis synthetischer oder biologischer DMARD (unter Vorbehalt) und nach enger Absprache zwischen Ihnen als Patient und Ihrem behandelnden Arzt. Das Projekt VERhO zielt darauf ab, Ihre Daten dahingehend zu analysieren.

Die Teilnahme an der Datenanalyse im Rahmen des VERhO-Projektes wird allen Patienten mit RA angeboten, die sich seit mindestens sechs Monaten in stabiler Remission befinden. Ihr Arzt wird Sie dabei eingehend über die derzeitige Datenlage zur Deeskalation aufklären, inklusive der Vorgehensweise im Falle einer Reaktivierung der Erkrankung (Schub; Flare).

Ihre Mitarbeit trägt zu einer sichereren Arzneimitteltherapie bei. Dabei ist es wesentlich, dass Sie über die Symptome einer etwaigen erneuten Krankheitsaktivität informiert sind und wissen, dass Ihnen eine rechtzeitige ärztliche Betreuung zur Verfügung steht. Dazu werden Ihnen Informationsmaterialien bereitgestellt, die sowohl mit dem Arzt besprochen werden als auch zu Ihrer allgemeinen Information dienen können. Ein elektronisches Patiententagebuch (z. B. in Form einer App) kann von Ihnen freiwillig genutzt werden, um Ihre Erkrankungssituation dokumentieren zu können und soll helfen, anstehende Arzttermine systematisch vorzubereiten. Dokumentiert werden dabei z. B. der allgemeine Gesundheitszustand, die Anzahl und Schmerzintensität der Gelenke sowie ein patientenorientierter Krankheitsaktivitätsindex. In den Arzt-Patienten-Gesprächen werden auch die Patienteninformationen, die Fragebögen und ggf. das Patiententagebuch besprochen werden, sofern Sie sich zu einer Nutzung entschließen. Geeignete Intervalle, in denen Sie beim Arzt vorstellig werden, sind wie folgt vorgesehen:

  • Quartal 1: Ein Arzttermin
  • Quartal 2: Zwei Arzttermine
  • Quartale 3-10: Jeweils ein Arzttermin

Die Versorgung bei Ihrem behandelnden Rheumatologen ändert sich durch die Teilnahme nicht. Es wird bei jedem Termin der Aktivitätsgrad Ihrer Erkrankung erfasst, Sie werden eingehend körperlich untersucht und bekommen einige Fragebögen zur Beantwortung vorgelegt. Diese Bögen umfassen Fragen zu Ihrem allgemeinen körperlichen und seelischen Befinden und wie gut Sie trotz der Erkrankung im Alltag zurechtkommen.

Sie können an diesem Versorgungsprojekt teilnehmen, wenn

  • Sie mindestens 18 Jahre alt sind.
  • die Anzahl Ihrer geschwollenen oder druckschmerzhaften Gelenke, Ihre Blutsenkungsgeschwindigkeit (ein Blutwert, der Entzündung anzeigt) und Ihre persönliche Einschätzung der Krankheitsaktivität eine gute Kontrolle der RA zeigen („Remission“).
  • diese Remission seit mindestens sechs Monaten besteht (üblicherweise dokumentiert bei Kontrollen alle 3 Monate).
  • Sie in den letzten 6 Monaten kein neues Medikament zur Behandlung der RA erhalten haben; dies gilt ebenfalls für Therapiestudien mit noch nicht zugelassenen Medikamenten.
  • Sie grundsätzlich bereit sind, aktiv am Programm mitzuwirken.
  • Sie schriftlich Ihre Teilnahme und Einwilligung zur Auswertung Ihrer Daten erklären.

Gemeinsam mit Ihrem Rheumatologen entscheiden Sie, ob Sie an der Datenanalyse teilnehmen wollen und ob Sie für das VERhO-Projekt geeignet sind. Die Teilnahme ist freiwillig.

Sie können auch an der Datenanalyse im Rahmen des VERhO-Projekts teilnehmen, wenn bei Ihnen keine Therapieveränderung vorgenommen wurde. Ihre Daten fließen in diesem Fall in eine Vergleichsgruppe ein. Ihre Teilnahme an diesem Versorgungsmodell ist für zunächst 27 Monate geplant. Sie können Ihre Teilnahme jederzeit ohne Nachteile für Ihre weitere Behandlung und ohne Angabe von Gründen beenden.

Im Abstand von drei Monaten werden bei Ihnen die routinemäßigen Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Dabei wird überprüft, ob noch eine Remission vorliegt. Dafür sind auch Blutuntersuchungen erforderlich. Außerdem werden eine körperliche Untersuchung und eine Untersuchung der geschwollenen und druckschmerzhaften Gelenke durchgeführt. Zusätzlich werden Sie gebeten, Fragebögen zu beantworten mit Fragen zum allgemeinen Befinden, zur Beeinträchtigung durch Ihre Rheumaerkrankung und zur Selbsteinschätzung der Krankheitsaktivität. Darüber hinaus werden alle Untersuchungen durchgeführt, die zur Überwachung Ihrer jeweiligen medikamentösen Therapie erforderlich sind.

Sie erklären Ihre freiwillige Teilnahme an dem Vertrag bei einem teilnehmenden Rheumatologen durch eine schriftliche Teilnahmeerklärung in ihrer jeweils geltenden Fassung. Die Teilnahmeerklärung regelt zusammen mit der Versicherteninformation zur Teilnahmeerklärung das Nähere zur Durchführung der Teilnahme. Hiervon umfasst sind insbesondere Regelungen zur zeitlichen Bindung an die Teilnahme, zur Bindung an die vertraglich gebundenen Leistungserbringer und zu den Folgen bei Pflichtverstößen; soweit die Abrechnung nicht direkt über den Leistungserbringer erfolgt, die Angabe der Abrechnungsdienstleister sowie ggf. eine Information über den beabsichtigten Austausch von Teilnehmerlisten für Abrechnungszwecke zwischen der R+V Betriebskrankenkasse und dem Leistungserbringer bzw. dem Abrechnungsdienstleister.

Ansprüche von Ihnen werden unmittelbar und mittelbar durch den Vertrag nicht begründet. Leistungen nach diesem Vertrag dürfen ausschließlich gegenüber den Versicherten erbracht werden, die ihre Teilnahme an dem Vertrag gemäß Absatz 1 schriftlich erklärt haben.

Die Liste der teilnehmenden Rheumatologen finden Sie auf der Webseite der best care solutions GmbH: www.bestcaresolutions.de/#vertraege. Klicken Sie einfach im blauen Kasten mit der Überschrift "VERhO – Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren" auf "Teilnehmende Ärzte". Das Unternehmen ist durch den Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V. beauftragt und für die Einschreibung der Ärzte im Projekt zuständig.

Weitere Fragen können Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Außerdem besteht die Möglichkeit, über eine Patientenhotline Fragen zum Projektablauf zu besprechen: 089 4141 4408-7.