/Newsletter 2020/06

Impfen gegen die saisonale Grippe.
Ja oder nein?

Die Verwirrung ist groß: Sollten sich in diesem einzigartigen Jahr der Pandemie Jung und Alt durch die Bank weg gegen Grippe impfen lassen? Unser Betriebsarzt Dr. med. Christoph Schreiber, Facharzt für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin sowie Leiter vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Wiesbaden, klärt auf.

Dr. med. Christoph Schreiber
Foto: Dr. med. Christoph Schreiber

Hallo Herr Dr. Schreiber. Wie sinnvoll ist eine Grippeschutzimpfung im Zeitalter von Covid-19?

Dr. Schreiber: Schlicht und einfach? Sie ist so sinnvoll, wie sonst auch. Eine Grippe ist eine durch Viren ausgelöste fieberhafte Infektionserkrankung. Bei einem durchschnittlich gesunden Menschen springt im Erkrankungsfall das Immunsystem an und bekämpft mit Antikörpern die krankmachenden Viren.

Menschen mit Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Asthma oder Herzerkrankungen, sogenannte Risikopatienten, können durch eine Virusgrippe allerdings zusätzlich belastet werden. Um eine schwerere Verlaufsform von Anfang an zu vermeiden, empfiehlt sich für diesen Personenkreis eine Schutzimpfung gegen die saisonale Grippe.

Ist das präventive Vorgehen in diesem Herbst anders als sonst?

Dr. Schreiber: Nein, das war schon immer so. Durch die aktuelle Pandemie hat das Thema Impfen lediglich an Aufmerksamkeit gewonnen. Was ja prinzipiell – vor allem für die Risikopatienten – auch gut ist. Die Kehrseite ist die, dass die Medien das Thema so pushen, dass alle Menschen jetzt in Sorge sind, sie bräuchten auch eine Grippeschutzimpfung, um die Corona-Krise in der kalten Jahreszeit zu überstehen. Und das ist glücklicher Weise gar nicht der Fall.

Für wen ist eine Grippeschutzimpfung sinnvoll?

Dr. Schreiber: Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) die saisonale Influenzaimpfung für Senioren ab einem Alter von 60 Jahren, Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, Schwangeren, Bewohner in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches Personal und beruflich besonders Exponierte. Nach der Impfung benötigt der Körper ca. zwei Wochen, um den vollen Impfschutz aufzubauen. Um also rechtzeitig vor der möglichen Grippewelle gewappnet zu sein, sollte die Impfung bis spätestens Ende November stattfinden.

Was empfehlen sie, um so gesund wie möglich durch die Herbst-Wintermonate zu kommen?

Dr. Schreiber: Hier gilt, alles was uns vor der Pandemie gesund gehalten hat, hält uns auch jetzt gesund. Ausreichend schlafen, viel frisches Obst und Gemüse essen, täglich – ggf. trotz Homeoffice – eine Runde vor die Tür gehen, sich bewegen und eine Dosis Vitamin D im Tageslicht tanken. Nicht zu unterschätzen sind für die psychische Gesundheit auch die sozialen Kontakte. Ein freundliches „Hallo“ beim Einkaufen und ein wenig Smalltalk mit dem Nachbarn am Zaun, es ist einfach wichtig hin und wieder andere Menschen zu treffen. Solche Begegnungen sind auch für die Stärkung des Immunsystems von Bedeutung, da der natürliche Austausch von Keimen und Viren dieses „trainiert“ und wachsam hält. Daheimbleiben und sich von allem abzuschotten ist da kein guter Ratgeber.

Was halten Sie von der AHA-Regel?

Dr. Schreiber: In Zeiten einer Pandemie ist es gut und richtig, wenn auf bestimmte Hygienevorschriften geachtet wird. So ist nachgewiesener Maßen der Abstand in der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) die allerwichtigste Schutzmaßnahme, um sich und andere vor der Übertragung von Corvid-19 zu schützen. Regelmäßiges Händewaschen, rücksichtsvolles Husten und Nießen in die Armbeuge sowie das Tragen einer Alltagsmaske minimieren zusätzlich das Ansteckungsrisiko.

AHA-Regeln
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Köln

Ein persönlicher Gedanke zum Abschluss, Herr Dr. Schreiber?

Dr. Schreiber: Meiner Ansicht nach ist es wichtig, wieder ein wenig Normalität in den Alltag zu bringen. Dahinter steht der Versuch, mit dem Virus zu leben. Die Vorsichtsmaßnahmen zu Themen wie Hygiene, Lüften, Maske und Abstand sind getroffen und werden regelmäßig neu bewertet. Jetzt ist es an uns, sich mit der Situation zu arrangieren. Denn das Leben geht weiter ...

Vielen Dank Herr Dr. Schreiber.

Kostenübernahme Grippeschutzimpfung

Sprechen Sie bzgl. einer Impfung mit Ihrem Hausarzt.

Über den gesetzlichen Rahmen hinaus übernehmen wir für selbstgezahlte ärztlich empfohlene Grippeimpfungen 80 % der Impfstoffkosten (maximal bis zu 80 EUR der jeweiligen Impfdosis). Außerdem erstatten wir pro Verabreichung bis zu 14 EUR für die ärztliche Behandlung, jedoch nicht mehr als den tatsächlichen Rechnungsbetrag. Bitte reichen Sie uns hierzu die Original-Rezepte und -Quittungen ein. Sollten Sie die ärztliche Leistung berechnet bekommen, benötigen wir auch diese Rechnung für unsere Erstattung an Sie.

Sie haben noch eine Frage? Dann rufen Sie uns an 0611 99909-0 oder mailen uns unter info@ruv-bkk.de. Gerne sind wir für Sie da.

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