Bonolino ermittelt
Haare – Ganz und gar mit Haut und Haar
Die meisten Menschen haben Haare auf dem Kopf. Kurzes, langes, lockiges, glattes Haar. Oder eben auch gar keines oder nur sehr weniges. Warum ist das so? Und was ist das eigentlich für ein Gewächs, das uns da aus der Kopfhaut und auch an anderen Körperstellen sprießt? Kann man etwas für gesundes Haarwachstum tun? Bei der nicht immer ganz ernst gemeinten Bebilderung haben mir dieses Mal zwei meiner besten Freunde geholfen: Eichhörnchen Knabber und Katze MauMau.
Inhalt:
- Zweck – Haare schützen den Körper
- Aufbau – Von der Wurzel bis zur Spitze
- Wachstum – Drei verschiedene Phasen
- Haarfarben – Wie entstehen sie?
- Haartypen – Glatt, wellig, lockig oder kraus
- Frisuren – Seit wann machen Menschen sich die Haare?
- Gesunde Haare – Bunt und gesund essen
- Fun Fact – Unnützes, aber lustiges Wissen :-)
Zweck – Haare schützen den Körper
Auf dem Kopf wirken sie wie ein Sonnenschirm und helfen dabei, dass Kopfhaut und Gehirn nicht so schnell überhitzen. Wenn es kalt ist, wärmen sie den Kopf. Im Gesicht halten die Härchen der Augenbrauen Schweiß von den Augen fern, Wimpern fangen Staub ab, Nasen- und Ohrenhaare verhindern das Eindringen von Schmutz, Keimen und Bakterien. Haare sind also eine ganz schön praktische Sache.
Unsere Vorfahren hatten, wie die meisten Säugetiere, ein Körperfell. Vermutlich vor etwa 2-4 Millionen Jahren ging diese dichte Körperbehaarung verloren. Das passierte nicht plötzlich, sondern ganz langsam über sehr, sehr viele Generationen. Warum? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Eine besagt, dass das dichte Fell zum Nachteil wurde, als die zuvor in Wäldern lebenden Urmenschen begannen, offeneres Gelände zu nutzen und in den Savannen über längere Strecken zu jagen. Durch das Fell wurde ihnen schnell zu heiß. Man kann sich das so vorstellen: Wenn ihr im Sommer einen dicken Pulli anhabt, kommt ihr schnell ins Schwitzen. Bei unseren Vorfahren war viel Fell wie so ein dicker Pulli. Weniger Fell half also dabei, nicht zu überhitzen. Aber die Theorie mit der Hitze hat auch einen Haken: Ohne Fell ist unsere Haut der Sonne direkt ausgesetzt. Die Sonnenstrahlen (UV-Strahlen) können dann Sonnenbrand verursachen und der Haut schaden. Ein Fell schützt da viel besser als nackte Haut. Eine andere Annahme geht daher davon aus, dass der Mensch sein Fell verlor, weil Läuse und andere kleine Tierchen sich auf glatterer Haut schlechter verstecken können. Vor etwa 170.000 Jahren begannen die Menschen dann Kleidung in Form von Fellen oder gewebten Pflanzenfasern zu tragen. Die wärmende Kleidung ermöglichte es ihnen, aus dem heißen Afrika in kühlere, nördlichere Regionen auszuwandern.
Außerdem gibt es auch noch Barthaare. Die haben aber meist nur Männer. Das liegt an dem männlichen Hormon Testosteron, das unter anderem dafür sorgt, dass im Gesicht vermehrt Haare wachsen. Hormone sind sogenannte chemische Botenstoffe. Sie reisen durch das Blut und sagen Zellen oder Organen, was sie tun sollen. Man kann sich Hormone wie kleine Nachrichten vorstellen: Sie helfen zum Beispiel beim Wachsen, bei der Pubertät und dabei, wie wir uns fühlen. Auch in Körpern von Frauen kommt Testosteron vor, aber in sehr viel geringeren Mengen. Deshalb haben Frauen normalerweise keinen Bartwuchs. Und falls doch, liegt es meist an einer Hormonstörung. Die berühmte mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 - 1954) trug einen Damenbart und machte diesen und ihre markanten, zusammengewachsenen Augenbrauen zu ihrem Markenzeichen.
Aufbau – Von der Wurzel bis zur Spitze
Haare wachsen bei Menschen aus der Haut. Bei vielen Tieren ebenfalls. Dort nennt man das Haar dann Fell, Pelz oder Wolle. Ein Haar besteht im Wesentlichen aus Keratin. Das ist ein hornbildender Eiweißstoff, der unter anderem auch in Finger- und Zehennägeln, Krallen, Klauen, Hufen, Hörnern, Schnäbeln und Federn vorkommt.
Jedes Haar hat zwei Teile: einen Teil, den man sehen kann, und einen, der in der Haut steckt. Der sichtbare Teil heißt Haarschaft, der unsichtbare wird als Haarwurzel bezeichnet. Weil im Haarschaft keine Nerven oder Blutgefäße enthalten sind, spürt man es nicht, wenn das Haar geschnitten wird. Wenn man jedoch an den Haaren zieht, tut das richtig weh. Der Schmerz kommt dabei aber nicht von den Haaren selbst, sondern von der Kopfhaut.
Die Haarwurzel sitzt in einer kleinen Vertiefung der Oberhaut, dem sogenannten Haarfollikel oder Haarbalg. Der Haarfollikel erstreckt sich bis in die mittlere Hautschicht (Lederhaut) und reicht bei dickeren Haaren sogar bis in die Unterhaut. In den Follikel hinein führt eine Talgdrüse, die Fett produziert, damit das Haar nicht austrocknet; an manchen Körperstellen auch eine Duftdrüse. An jedem Haar sitzt außerdem ein winziger Muskel. Wenn euch kalt ist oder ihr euch erschreckt, zieht sich dieser Muskel zusammen – dann stellen sich die Haare auf und ihr bekommt eine Gänsehaut. Um das Haar herum sind viele kleine Nerven. Deshalb könnt ihr sogar spüren, wenn sich ein Haar ganz leicht bewegt, zum Beispiel durch Wind.
Ganz unten ist die Haarwurzel etwas dicker, wie ein kleines Knöllchen. Dieses Knöllchen nennt man Haarzwiebel. Von unten ragt die sogenannte Haarpapille, ein gut durchblutetes Knötchen, in die Haarzwiebel hinein. Dort entstehen immer wieder neue Haarzellen, damit das Haar wachsen kann.
Wachstum – Drei verschiedene Phasen
Für lange Haare braucht man einen langen Atem. Es dauert also ein Weilchen. Denn ein Kopfhaar wächst im Monat durchschnittlich einen Zentimeter. Dazu werden in der Haarwurzel ständig neue Zellen gebildet. Diese kleben zusammen und verhornen. So entsteht das Haar. Weil immer neue Zellen nachkommen, wird das Haar langsam nach oben geschoben und wächst aus der Haut heraus. Barthaare wachsen etwas langsamer – Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare wachsen noch langsamer.
Das Wachstum verläuft in drei Phasen: der Wachstumsphase, der Übergangsphase und der Ruhephase. In der Wachstumsphase wird das Haar aktiv gebildet und länger. Diese Phase dauert meist mehrere Jahre. In der darauf folgenden Übergangsphase hört das Haar zu wachsen auf und löst sich langsam aus der Haarpapille. Das untere Ende wird dann nach oben geschoben. Während der Ruhephase bleibt das Haar noch eine Weile in der Haut und fällt dann aus, während ein neues Haar nachwächst. Ein Kopfhaar wächst übrigens etwa sechs Jahre lang, ein Beinhaar dagegen nur ungefähr drei Monate und fällt danach aus. Das ist der Grund, warum Kopfhaare viel länger werden als andere Körperhaare.
Pro Tag verliert man bis zu 100 Haare. Das ist vollkommen normal. Mit dem Alter nimmt der Haarausfall dann meistens zu. Dafür kann es erblich bedingte oder hormonelle Gründe geben. Außerdem sinkt mit zunehmendem Alter die Nährstoffaufnahme und Durchblutung der Kopfhaut. Der Haarzyklus wird dabei kürzer, und einzelne Haare werden feiner und wachsen schlechter nach. Auch Stress, Krankheiten, Medikamente oder ungesunde Ernährung können verstärkten Haarausfall auslösen. Dauerhafter Haarausfall kann dann bis zu einer Glatze führen.
Den Weltrekord für die längsten jemals gemessenen Haare der Welt hält übrigens die Chinesin Xie Qiuping. Ihr Haar brachte es am 8. Mai 2004 auf eine Länge von 5,627 m.
Haarfarben – Wie entstehen sie?
Im Durchschnitt wachsen auf einem Kopf etwa 100.000 Haare. Die Anzahl ist natürlich individuell, also von Mensch zu Mensch verschieden, aber interessanterweise hat auch die Haarfarbe einen Einfluss. So haben Menschen mit blondem Haar im Durchschnitt feinere, dafür aber mit etwa 150.000 die höchste Anzahl an Kopfhaaren. Bei Schwarz- und Braunhaarigen sind die Haare dicker, jedoch mit rund 100.000 weniger zahlreich, während Rothaarige im Schnitt etwa 90.000 Haare besitzen.
Die verschiedenen Haarfarben entstehen durch winzige Farbkörnchen – dem Pigment Melanin, das in den Haarwurzeln gebildet und ins Haar eingelagert wird. Von diesem Melanin gibt es zwei Sorten: Eumelanin und Phäomelanin. Eumelanin ist ein bräunlich-schwarzes Pigment, das für braunes bis schwarzes Haar sorgt. Bei Phäomelanin handelt es sich um ein rötlich-gelbes Pigment, das vor allem in rotem Haar vorkommt. Wie eure Haare aussehen, hängt davon ab, wie diese beiden Sorten gemischt sind und wie viele dieser winzigen Farbkörnchen in euren Haaren stecken. In blonden Haaren sind insgesamt nur sehr wenige Pigmente enthalten. Meist ist es eine kleine Menge des rot-gelben Typs.
Die Haarfarbe von Menschen kann sich im Laufe des Lebens verändern. Viele Kinder haben am Anfang sehr helle Haare. Später werden die Haare oft dunkler. Das liegt daran, dass der Körper den dunklen Farbstoff Eumelanin erst ab dem zweiten Lebensjahr stärker herstellt.
Wenn Erwachsene älter werden, bekommen sie graue oder weiße Haare. Graue Haare sind aber nicht wirklich grau und weiße Haare nicht wirklich weiß. Es handelt sich hierbei um eine optische Täuschung. Mit dem Alter bilden die Haarwurzeln weniger Pigmente. Sind in einem Haar irgendwann keine Farbstoffe mehr enthalten, erscheint es weiß. In Wirklichkeit ist es aber durchsichtig – das könnte man unter einem Mikroskop leicht erkennen. Statt der Farbpigmente enthält das Haar nun Luftbläschen, die das Licht brechen und das Haar weiß erscheinen lassen. Wenn zwischen den farblosen Haaren noch einige farbige Haare wachsen, wirkt das ganze Haar grau oder silbern. Mit der Zeit verlieren die meisten Haare ihre Farbe und sehen dann ihrer Gesamtheit weiß aus.
Welche Haarfarbe man bekommt, hängt von den Erbanlagen ab. Wenn die Großeltern und Eltern dunkelhaarig sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Kinder ebenfalls dunkle Haare bekommen, weil dunkle Haare gegenüber blonden Haaren dominant sind. Das muss aber nicht unbedingt so sein. Gibt es unter den Vorfahren beider Elternteile Menschen mit blonden Haaren, kann diese Eigenschaft auch an die Kinder weitergegeben werden.
Haartypen – Glatt, wellig, lockig oder kraus
Haare können ganz unterschiedlich aussehen. Manche sind glatt wie Schnittlauch, manche wellig, manche lockig und manche ganz kraus. Das hängt vor allem von der Form und dem Wachstumswinkel des Haarfollikels sowie von der inneren Struktur des Haares ab und ist genetisch festgelegt.
- Runde Follikel: Bei einem kreisrunden Querschnitt des Follikels wächst das Haar senkrecht und gleichmäßig aus der Haut. Dies führt zu glatten Haaren.
- Ovale Follikel: Ist der Follikel leicht bis stark oval geformt, wächst das Haar in einer leichten Kurve oder Spirale. Dies erzeugt welliges oder lockiges Haar.
- Flache Follikel: Bei extrem ovalen oder fast flachen Follikeln entsteht eine sehr enge, oft zickzackförmige Struktur, die als krauses Haar bezeichnet wird.
Frisuren – Seit wann machen Menschen sich die Haare?
Eine Frisur ist die Art, wie Haare auf dem Kopf aussehen oder gestylt werden. Man kann Haare schneiden, kämmen, flechten oder anders formen. Das geht bei Menschen und manchmal auch bei Tieren, wenn die Haare weich genug sind. Für die Haare auf dem Kopf geben sich Menschen besonders viel Mühe, deshalb gibt es viele verschiedene Arten, Haare zu stylen.
Schon vor sehr langer Zeit kümmerten sich Menschen um ihre Haare – sogar schon in der Steinzeit. Damals haben sie ihre Haare geschnitten, geflochten oder geschmückt. Das war nicht nur praktisch, sondern zeigte auch, zu welcher Gruppe man gehörte oder wie wichtig jemand war. Im alten Ägypten haben sie ihre Haare gekämmt, gefärbt und sogar Perücken getragen. Blond war besonders beliebt. Im antiken Griechenland war ein ordentliches Aussehen äußerst wichtig, und es gab viele kunstvolle Frisuren mit Locken oder Knoten. Auch Männer achteten sehr auf ihre Haare.
Im alten Rom orientierten sich viele Frauen an den Frisuren der Kaiserin. Es gab Locken, Zöpfe und Haarknoten. Manche färbten ihre Haare oder schmückten sie mit Nadeln und Schmuck. Haare waren also schon damals etwas ganz Besonderes.
Im Mittelalter haben meistens Barbiere die Haare geschnitten. Sie haben aber auch Bärte gepflegt und sogar Zähne behandelt. Der Friseurberuf, so wie wir ihn heute kennen, entstand erst viel später – ungefähr vor 150 Jahren, und richtig modern wurde er im 20. Jahrhundert.
Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder neue Haarmoden. Das bedeutet, dass viele Menschen eine bestimmte Frisur getragen haben, weil sie gerade „in“ war.
Gesunde Haare – Bunt und gesund essen!
Kann man etwas für gesundes Haarwachstum tun? Ja — man kann das Haarwachstum zwar nicht beliebig beschleunigen, aber man kann gute Bedingungen schaffen, damit Haare gesund wachsen und weniger abbrechen. Wichtig sind vor allem Ernährung, schonende Pflege und ausreichend trinken und Schlaf. Eure Haare können sich nämlich nicht selbst reparieren – sie brauchen immer ein bisschen Hilfe. Und gesunde Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. Haare brauchen Bausteine, um stark zu werden. Besonders wichtig sind Eiweiß, Eisen, Zink, Biotin, Kupfer und die Vitamine A, B und C. Auch hier hilft, möglichst abwechslungsreich zu essen und zwar nach dem Prinzip „Bunt ist gesund“. Wenn das Essen auf eurem Teller so bunt wie ein Regenbogen ist (aber kein gefärbtes Zuckerzeug!), bekommt euer Haar automatisch alles, was es für ein gesundes Wachstum braucht!
Fun Fact – Unnützes, aber lustiges Wissen 😃
Haben Bärte eigentlich eine Funktion? Anscheinend ja. Forschende der Universität Utah in den USA sind zu dem Schluss gekommen, dass Bärte ursprünglich Schutz gegen Faustschläge ins Gesicht bieten sollten. Um dies herauszufinden, wurden Schädel aus Kunstharz mit verschieden dichtem Schafsfell überzogen. Dann ließen sie ein Gewicht auf das Kinn der Schädelnachbildungen fallen und maßen mit einem Sensor die Stoßwirkung. Bei dem mit dichterem Schafsfell bedeckten Schädel wirkte das Fell wie ein Stoßdämpfer, so dass der Kiefer nicht brach. Daraus folgerten die Forschenden, dass der Männerbart in Urzeiten womöglich die gleiche Funktion wie eine Löwenmähne hatte und beim Kampf mit Gegnern Hals und Kiefer schützen sollte. Für diese Erkenntnis erhielten sie den Ig-Nobelpreis. Das ist ein lustiger Preis für Forscherinnen und Forscher, die etwas sehr Seltsames oder Überraschendes herausgefunden haben. Erst muss man darüber lachen, und dann merkt man: Da steckt trotzdem eine echte Idee zum Nachdenken drin. Zum Glück wird sich heutzutage weniger gekloppt. Da darf der Bart dann ruhig ab.
Körperbehaarung
- Spektrum.de: Warum Menschen nackt sind
- TÜV NORD: Warum hat der Mensch sein Fell verloren?
- Deutschlandfunk Nova: Das Tiergespräch – Wieso nackt?
- scinexx.de: Mensch trug erste Kleider schon vor 170.000 Jahren
- gesund.bund.de: Hirsutismus
Aufbau der Haare
- IQWiG: Wie sind Haare aufgebaut und wie wachsen sie?
- Wikipedia: Haar
- Wikipedia: Keratine
- Kenhub: Haarfollikel
Wachstum der Haare
- haut.de: Das Wachstum des Haares
- GEO.de: Darum wachsen Kopfhaare scheinbar ewig, andere Haare aber nicht
Haarfarben
- BioNumbers: Number of hairs on human head (BNID 101509)
- haut.de: Wie bilden sich die natürlichen Haarfarben?
- Wikipedia: Haarfarbe
- familie.de: Haarfarbe beim Baby – Wann und wie ändert sie sich?
- welt.de: Blond, braun, rot – Wie die Haarfarbe entsteht
- SWR.de: Warum werden Haare grau?
Haartypen
- scinexx.de: Haare – Warum sind sie manchmal gelockt und manchmal glatt?
- Anatomie: Wie Locken entstehen (Video auf Facebook)
Frisuren
Gesunde Haare
- haut.de: Ausgewogene Ernährung – Gesunde Kopfhaut – gesundes Haar
- MDR (Youtube): Ernährung bei Haarausfall | Hauptsache gesund
Fun Facts
Stand: August 2026