Bonolino und die Osterpinsel

Die Gelben Narzissen und Forsythien blühten, Ostern konnte kommen. Knabber und ich waren gerade mit dem Frühjahrsputz beschäftigt, als ein gigantischer Hase seine Nase und Löffel zur Tür hereinstreckte. Das musste der Osterhase sein – Irrtum ausgeschlossen!

„Du musst mir helfen, Bonolino“, rief er und rang verzweifelt die Pfoten. „Alle meine Pinsel sind verschwunden! Wie soll ich denn nun rechtzeitig zum Fest die Ostereier bemalen?“ Gute Frage!

„Wo bewahrst du deine Osterpinsel denn normalerweise auf?“

„Na, auf der Osterinsel! Wo denn sonst?“

Frühjahrsputz rutschte auf meiner Liste wichtiger Aufgaben nach unten, Reise zur Osterinsel schnellte auf Platz eins. Mit Knabber und dem Osterhasen im Schlepptau, machte ich mich auf den Weg. Rapa Nui, so heißt die Osterinsel eigentlich, liegt einigermaßen abgelegen im Südostpazifik, weit vor der Küste Chiles. Sie ist auch ziemlich abgeholzt, dafür ragen dort riesige Steinskulpturen, die Moai, in den Himmel. Nach Aussagen des Osterhasen gehört das Bewachen der Osterpinsel zu den Hauptaufgaben der Moai. Keine allzu geschickte Personalauswahl, wie mir schien. Denn die steinernen Burschen waren arge Bewegungsmuffel mit sehr eingeschränktem Gesichtsfeld. MauMau hingegen hätte niemand etwas unter den Pfoten wegstibitzen können. Wir suchten die ganze Insel ab, konnten die Pinsel aber nicht finden. Knabber stellte die Theorie auf, dass der berühmte Autor Erich von Döneken (oder so ähnlich) die Pinsel in seinem Raumschiff entführt habe. Um damit die Marsmännchen grün anzumalen. Denkbar, aber unwahrscheinlich. Uns blieb nur noch ein Ausweg: Wir mussten die Pinsel selbst herstellen! Doch womit?

„Die Pinselborsten stammen von der Yeti-Krabbe“, erklärte uns der Osterhase. „Hin und wieder verlieren sie ein paar Borsten, die dann hier an Land geschwemmt werden. Das passiert aber nur sehr selten, weshalb die Pinsel auch so kostbar sind. Ich würde die Krabben ja persönlich um Hilfe bitten, aber sie leben in der Tiefsee. Kannst du sie nicht fragen? Du bist als Flusspferd doch quasi ein Wassertier.“

„Äh ... das stimmt zwar, aber 2200 Meter Tiefe sind auch für mich zu viel. Ich könnte allerdings mal bei der entfernteren Verwandtschaft nachfragen.“ Endlich machten sich meine vielen Sprachkurse bezahlt! Ich gab ein paar gesangähnliche Töne von mir und kurz darauf tauchte ein riesiger Pottwal aus dem Meer auf.

„Ist er aus dem Ruhrpott bis hierher geschwommen?“, fragte mich Knabber flüsternd.

„Nein, Knabber. Pottwale nennt man aufgrund ihrer Kopfform so“, antwortete ich genauso leise.

„Hallo Bonolino“, prustete der Gigant. „Ich habe dich zwar nicht richtig verstanden, aber ich dachte, ich schau mal vorbei. Ich heiße Thor Eierwal.“

Mit so einem Namen konnte ja nichts mehr schiefgehen! Wir baten ihn, für uns zu den Yeti-Krabben zu tauchen und sie seinerseits um eine Borstenspende zu bitten. Für die komplett weißen Krabben war das kein Thema, wollten sie doch gerne dazu beitragen, die Welt ein wenig bunter zu gestalten. Schnell banden wir die Borsten zusammen und versahen sie mit Holzstielen. Das Anmalen der Ostereier war jedoch Chefsache, die sich der Osterhase nicht nehmen ließ.

Der Pottwal Thor tauch zu den Yeti-Krabben

„Und wer passt auf deine neuen Pinsel auf?“, fragte ich ihn zum Abschied. „Ein bisschen Betriebssport würde die Moai bestimmt beweglicher machen. Fußball wäre nicht schlecht.“

„Genau“, lachte Thor. „Bring ihnen ein bisschen Kon-Tiki-Taka bei!“

Der Osterhase grinste, bedankte sich bei uns allen und entließ uns wieder in die Heimat.

Als ich am Ostermorgen aufstand, war mein Garten voller bunter Ostereier. „Die mit Krokant-Füllung mag ich am liebsten!“, rief mir Knabber mit beschmierten Pfoten und Schnauze zu. „Mal schauen, wie das hier schmeckt“, schmatzte er und wollte gerade in ein anderes Schokoladenei beißen.

„Iss das nicht!“, rief ich besorgt. „Da ist Knickebein drin!“

Dackel Knickebein saust um die Ecke

In diesem Augenblick bog der gleichnamige Nachbarsdackel um die Ecke. Knabber verzog das Gesicht und warf das Ei in hohem Bogen weg: „Bäh! Da kommt man ja glatt auf den Hund!“


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